Funktionale und ästhetische Bodengestaltung mit Dyckerhoff Terraplan
Nicht weit von Deutschen Theater entfernt hat die Heinrich-Böll Stiftung zum 1. Juli 2008 ihr neues Domizil bezogen. Mit dem transparenten Konferenz- und Bürohaus setzt die Stiftung eine architektonische Landmarke in Berlins prominenter Mitte. Die Böden in dem nach Plänen der Schweizer Architekturbüros e2a eckert eckert architekten entstandenen Neubau wurden mit dem neuartigen Fußboden-system Dyckerhoff Terraplan hergestellt. Dabei hat das Architektenteam die Betonböden quasi in die Gebäudetechnik des Neubaus eingebunden, indem ihre positiven Eigenschaften im Hinblick auf die Energieeffizienz direkt nutzbar gemacht werden. In heller Terrazzo-Optik überzeugen sie außerdem sowohl durch brillant glänzende Oberflächen, als auch durch bewusst schlicht gehaltene, naturbelassen und nur leicht angeschliffene Sichtbetonoberflächen.
Die neue Zentrale der Heinrich-Böll-Stiftung entstand auf einem bislang als Parkplatz genutzten, 2.106 qm großen Grundstück in der Schumannstraße in Berlin-Mitte. Sie grenzt an eine öffentliche Grünfläche, an deren Aufwertung und Pflege sich die Stiftung beteiligen wird. Das Gebäude, das nach dem prämierten Entwurf des Architekturbüros e2a eckert eckert architekten aus Zürich gebaut wurde, soll auch die Werte ausdrücken, für die die Stiftung nach eigenem Verständnis steht: Weltoffenheit, Transparenz, Ökologie und Nachhaltigkeit. Diese Prinzipien galt es in dem Neubau zu integrieren, sowohl was die Ästhetik und Funktionalität als auch die Materialien und Technik betrifft. Wer baut gibt zugleich ein öffentliches Statement ab. Unser Haus verbindet die Funktionalität eines Konferenzzentrums mit dem ästhetischen Gestaltungswillen, der einer Heinrich-Böll-Stiftung ansteht, erklären Ralf Fücks und Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, zum Konzept des Neubaus.
Das Gebäude beherbergt moderne Büroflächen für die 185 Mitarbeiter der Stiftung. Es zeichnet sich durch seien prägnante architektonische Form aus. Kombiniert wird ein klassischer Kubus mit einer schwebenden, rundum verglasten Beletage. Sie soll als Konferenz- und Tagungszentrum für rund 300 Personen im Rahmen der zahlreichen nationalen und internationalen Veranstaltungen der Heinrich-Böll-Stiftung genutzt werden. Insgesamt stehen rund 7.000 qm Bruttogrundfläche zur Verfügung.
Nachhaltigkeit, einer der Grundwerte der Heinrich-Böll-Stiftung, war auch das Leitprinzip für das Energiekonzept, das vom Schweizer Ingenieurunternehmen Basler & Hofmann, Zürich, für die Stiftung entwickelt wurde. Mit seiner hohen Energieeffizienz gehört das Stiftungshaus zur ökologischen Avantgarde: indem Architektur, Fassade, Gebäudetechnik und Materialien fein aufeinander abgestimmt sind, kann der Primärenergieverbrauch auf ein Minimum reduziert werden. In Höhe von 55,7 kWh/m2 unterbietet er die gesetzlich vorgeschriebenen Werte der Energieverordnung sogar um die Hälfte.
Der Neubau präsentiert sich hell und lichtdurchflutet. Seine Ausstattung ist funktional und puristisch. Bei der Bodengestaltung entschieden sich die Züricher Architekten vom Büro e2a eckert eckert architekten für den Einsatz des Dyckerhoff Terraplan Betonbodens. Dieses neuartige Fußbodensystem verbindet die tragende Konstruktion mit der Nutzschicht in einem Betonsystem aus einem Guss; denn die unterschiedlichen Schichten des Betonboden-Systems werden durch die spezielle frisch-in-frisch-Verarbeitung sowie teilweise durch entsprechende Haftgrundanwendungen verbunden. Durch intelligente Nutzung der vielfältigen positiven Eigenschaften des Betons kann auf eine Beschichtung vollständig verzichtet werden.
Die Leistungsfähigkeit von Beton war für die Architekten ein wesentliches Kriterium bei der Entscheidung für das Bodensystem. Elegant wie ein Terrazzo speichert der Belag aufgrund seiner Masse hervorragend Heizungswärme, die dadurch reduziert werden kann und wertvolle Energie eingespart wird. Außerdem stellt ein mehrstufiger (teilweise bis zum gewünschten Oberflächenglanz) Schleifprozess bei Dyckerhoff Terraplan eine dichte, aber diffusionsoffene Oberfläche sicher. Den Gesetzen der Bauphysik folgend nimmt der Boden Luftfeuchtigkeit auf und gibt sie auch wieder ab, was das Raumklima ebenfalls positiv beeinflusst.
Ein weiterer Aspekt dieses Bodens ist, dass er nicht nur hart und hochbelastbar ist, sondern eine äußerst feine, ebene und dazu noch ästhetisch glänzende Oberfläche aufweist. Auf den hellen, fast weißen Bodenflächen des Stiftungsgebäudes wird das einstrahlende Tageslicht hervorragend reflektiert, sodass in den Büros über lange Tageszeiten ohne Zusatzlicht gearbeitet werden kann. Die Architekten haben den Boden quasi in die Gebäudetechnik des Neubaus der Stiftungszentrale eingebunden, indem seine positiven Eigenschaften direkt nutzbar gemacht werden. Ebenfalls positiv auf die Energieeffizienz des Gebäudes wirkt sich die Wirtschaftlichkeit von Dyckerhoff Terraplan aus, was die Reinigungs- und Pflegeeigenschaften betrifft.
Mit der Gestaltung des Fußbodens als Terrazzo-Flächen wollten die Planer ganz besondere Effekte setzen. Zum einen sollte er den Werkstatt-Charakter des Hauses unterstreichen und zum anderen ging es darum, Dinge zu kontrastieren. An den Decken wurden Leitungen und Kabel sichtbar gelassen und die Wände sind aus blankem Beton, dazu wurde der Boden mit seiner hellen, hochglänzenden oder angeschliffenen Oberfläche komplementär hinzugefügt. Die Betonrezeptur wurde in Bezug auf die Farbgebung der Oberfläche schon von vornherein ganz speziell auf die gestalterischen Wünsche der Architekten abgestimmt. Durch ausschließliche Verwendung des Portlandzementes Dyckerhoff Weiss FACE wird sichergestellt, dass es bezüglich der Farbtöne stets reproduzierbare Standards gibt. Denn im Gegensatz zu vielen Grauzementen ist die Farbe bei Dyckerhoff Weis stets einheitlich.
Im Detail stellt sich der Konstruktionsaufbau des Bodens wie folgt dar: Auf einen Zementfließestrich (Estrifloor ZFE) wurde zunächst eine Ausgleichsschicht erzeugt, auf die eine Fußbodenheizung verklebt wurde. Nach dem Aufbringen eines weiteren Ausgleichestrichs (Vergußmörtel) wurde der Terraplanboden von der Bayer Beton- und Terrazzogruppe, Blaubeuren, im Transportbetonverfahren eingebracht. Es handelt sich dabei um Betone C 35/45 F3 nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2 mit feiner oder grober Körnung. Auf Grund des dünnschichtigen Fußbodenaufbaus über einer Trittschalldämmung sowie auf Grund von Fertigungstoleranzen der Decken mussten teilweise Schichten unter 4 cm Dicke realisiert werden, die einen hohen Biegezugwert des Betons (vergleichbar mit der Biegezugklasse F7 eines Estrichs) erforderten. Ein weiteres Problem bestand darin, dass die Flächen trotz eines ungünstigen Längen-/Breiten-Verhältnisses nach Vorgaben der Planer möglichst fugenlos erstellt werden sollten. Möglich wurde dies nur durch den Einsatz eines Schwindreduzierers. Die Lieferung des Betons für den Terraplanboden erfolgte nach einem abgestimmten Qualitätssicherungssystem durch die in Berlin ansässige Lichtner-Dyckerhoff Beton GmbH & Co. KG. Nachdem der Beton nachbehandelt wurde, folgten mehrere Schleifgänge im Nassschliffverfahren, um dem Boden die von Planern und Bauherren gewünschte Optik zu geben. Den Abschluss der aufeinander folgenden Schleifstufen bildete der sogenannte Polierschliff. Der so entstandene Terraplan-Fußboden ist extrem pflegeleicht und lässt sich einfach mit Wasser und Betonseifen reinigen, wodurch dauerhafter Glanz sichergestellt ist.